Gymnasium Alpenstrasse,
Geografie: Mensch und Umwelt, Vernetzte Systeme, Kybernetik, Seite 1
1.1:
Systeme: Was ist ein System?
Ein System besteht aus mehreren verschiedenen
Teilen, die jedoch nicht wahllos nebeneinander bestehen, sondern zu einem
bestimmten Aufbau vernetzt sind, eine Organisation,
Struktur, Ordnung aufweisen. Ein Sandhaufen ist kein System, denn man kann
Teile davon wegnehmen oder vertauschen, ein Sandhaufen bleibt dabei immer ein
Sandhaufen. Eine Blume ist dagegen ein System. Auch eine Fabrik, ein
Bienenstock oder ein Atom sind Systeme.
Aus mehreren vorher getrennten Systemen, die
in eine enge Beziehung treten, kann ein neues, übergeordnetes System entstehen. So entsteht beispielsweise aus Zellen
ein Organ, aus Pflanzen, Tieren und Mikroben ein Ökosystem. Als Teil eines übergeordneten Systems verhalten sich die
Teile ganz anders als vorher.
Ein System ist immer ein Ganzes, und das Ganze ist dabei mehr als die Summe
seiner Teile. Das „Mehr“ ist dabei die Struktur, das Netz der
Wechselwirkungen. Es gibt dabei keine abgeschlossenen Systeme, alle Systeme
sind offen, d.h., sie stehen im Austausch mit anderen Systemen (Bsp. Erde-
Sonne). In der kybernetischen
Betrachtungsweise sind also nicht Teile als solche wichtig, sondern die Teile
werden als Bestandteil des Ganzen (des Systems) beurteilt (Bspe: Lincoln,
falscher Fisch).
Aufgabe: Sind folgendes
Systeme? ein Atom: eine Müllkippe: ein Computer: ein Wald: eine Stadt:
1.2:
Wechselwirkungen, Vernetzung: Wie wirken die Teile aufeinander?
Wichtig ist nicht nur, was mit wem verbunden ist, d.h. die Vernetzung der Teile, sondern
viel mehr, wie es damit verbunden
ist, also die Beziehungen, die
Wechselwirkungen.
Lineare
Beziehungen: Bsp: Eine alte Buche produziert beispielsweise am Tag 1200 l
Sauerstoff pro Stunde, fünf alte Buchen dagegen produzieren fünfmal mehr, also
6000 l O2. (Ein Mensch veratmet dagegen pro Stunde 30 l, ein VW 16'000 l).
Nichtlineare
Beziehungen: Bspe. Kartenmaßstab: Wenn
der Maßstab einer Karte halbiert wird, so nimmt die Fläche nicht um das
doppelte, sondern um das vierfache zu. Oder bei einer Zunahme der Autos nimmt
der O2-Verbrauch nicht linear zu, da mehr Autos auch mehr Stau bedeuten. Oder
Ernteerträge können bei mehr Düngung zuerst vielleicht zunehmen. Aber immer
mehr Düngung bedeutet sicher nicht immer grösseren Ertrag, einmal ist eine
Sättigungsgrenze erreicht. Besondere Beachtung müssen bei nichtlinearen
Beziehungen dem exponentiellen
Wachstum geschenkt werden, da hier gefährliche Situationen entstehen
können (Bspe: Bevölkerungswachstum bei einer Wachstumsrate grösser als Null
oder „Schachbrett-Reiskornverteilung“. Im Gegensatz zum exponentiellen Wachstum
steht das logistische Wachstum,
das kontrollierte organische Wachstum bis zu einem Grenzwert.
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Schwellen-
und Grenzwerte: Wenn man das Seil eines
Pfeilbogens spannt, bleibt unterhalb eines Schwellenwertes jede Wirkung aus,
darüber aber fliegt der Pfeil je weiter, je mehr man das Seil spannt. Wenn man
allerdings den Bogen überspannt, den Grenzwert überschreitet, dann bricht der
Bogen. (Bsp. Elefantenherde).
1.3:
Rückkoppelung: Wie wirken die Teile auf sich selber zurück?
Positive
Rückkoppelung: Sie entsteht, wenn Wirkung und Rückwirkung sich gegenseitig
verstärken. Positive Rückkoppelung ist für das Wachstum nötig, kann
unkontrolliert aber gefährlich werden.
Sie ist alleine nie stabil (Bspe.:
gegenseitiges Aufschaukeln von Löhnen und Preisen (Inflation); die
Rückkoppelung zwischen Mikrofon und Laufsprecher bis zum Pfeifton; ungebremste
Zersiedelung der Landschaft bis zur totalen Betonlandschaft; Bevölkerungswachstum.
Die positive Rückkoppelung muss also immer
einer übergeordneten Regulation (negative Rückkoppelung) gehorchen, damit sie
nicht zum Teufelskreis wird. Bspe: Lohnstopp, Mikrofon von Lautsprecher
trennen, Raumplanung, Wachstumskontrolle.
Negative
Rückkoppelung: Bei negativer Rückkoppelung verlaufen Wirkung und Rückwirkung
entgegengesetzt und kontrollieren sich gegenseitig. Systeme, die mit neg.
Rückkoppelungen arbeiten, sind an sich stabil
und damit Grundlage aller sich selber steuernden Systeme.
Verschachtelte
Rückkoppelung: Die Teile eines Systems gehören gleichzeitig verschiedenartigen
Rückkoppelungskreisen an. Bsp: Kerzenflamme.
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Der
Regelkreis: Man kann obige Vernetzungsarten mit einem technischen Regelkreis
vergleichen und spricht deshalb auch von Regelkreisen:
Zyklisches
Wachstum: Systeme weisen oft keinen statischen Zustand auf, sondern ändern sich
fortlaufend, sie sind dynamisch.
Bsp: Wenn Kartoffeln knapp sind, steigt der Preis. Immer mehr Bauern pflanzen
nun Kartoffeln an, das System beginnt zu übersteigern. Der Grenzwert des
Bedarfs wird überschritten, die Preise beginnen rapide zu fallen. Man reagiert
verspätet, doch umso heftiger: Ernten werden vernichtet, um die Preise zu
halten, und kaum einer pflanzt noch Kartoffeln an. Doch wieder hat man
übersteuert...
Mit Hilfe von Simulationsmodellen versucht man, das Systemverhalten
qualitativ oder quantitativ zu erfassen und z.B. mit einem Computer zu
modellieren (simulieren).
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1.4:
System-Simulation Beispiele:
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1.5:
Ein Papiercomputer
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1.6:
Zwei Ansätze zur Erfassung der Wirklichkeit